Radwegbrücken montiert: Meilenstein für besseren Alltagsradverkehr und Radtourismus

Orpethal-Billinghausen(pm). Zwischen der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen und dem Gut Billinghausen in Diemelstadt gab es kürzlich Spannendes zu beobachten: Im Auftrag des Landkreises Waldeck-Frankenberg wurden mehrere große Fertigteile für die Geh- und Radwegbrücken auf die Widerlager der Brücken über die Diemel und den Mühlgraben aufgesetzt. In Kürze wird dann die Verkehrsfreigabe für den rund 300 Meter langen Geh- und Radweg entlang der Kreisstraße 91 erfolgen.
Echte Verbesserung für den Radverkehr
„Dieses Ereignis ist auch für mich faszinierend“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Karl-Friedrich Frese. „Zum einen ist hier Präzisionsarbeit gefragt, um die Brückenteile mit den Kränen richtig aufzusetzen. Zum anderen neigt sich ein Projekt dem Ende zu, in das wir viel Arbeit und Herzblut hineingesteckt haben. Eine echte Verbesserung für den Radverkehr – und eine gut angelegte Investition.“ Dem stimmt auch der Erste Stadtrat der Stadt Diemelstadt Dieter Oderwald zu: “Insgesamt hat die Stadt über Jahre hinweg mit den Verantwortlichen darauf hingewirkt, dass für die Radfahrenden eine sichere Streckenführung von der Landesgrenze bis letztlich nach Wrexen zu realisieren ist.“ Das Teilstück von Gut Billinghausen bis Orpethal hat die Stadt selbst gebaut. Zuletzt wurde im Frühjahr dieses Jahres durch die Stadt zudem ein 600 Meter langes Teilstück von der Marsberger Stadtgrenze bis an die Kreisstraße in Billinghausen asphaltiert und die Verbindung somit erheblich aufgewertet. Das letzte Stück an der Landesstraße zwischen Orpethal und Wrexen befindet sich seitens Hessen Mobil konkret in der
Planungsphase, um zunächst das Baurecht zu schaffen.


Systematische Entwicklung des Alltagsradverkehrs
Seit dem Jahr 2021 beschäftigt sich der Landkreis systematisch mit der Entwicklung des Alltagsradverkehrs. Im Jahr 2022 konnte das Alltagsradverkehrskonzept beschlossen werden und derzeit wird die Planung für die Radwegweisung vorgenommen. Dabei passiert einiges, das für Außenstehende vielleicht nicht immer direkt erkennbar ist. Planung und Bau von Radwegen sind vom Umfang her vergleichbar mit Straßenbaumaßnahmen – und haben auch eine entsprechende Kostendimension. Im Rahmen der Möglichkeiten des Kreishaushaltes werden die Projekte an den Kreisstraßen nach einer Prioritätenliste gebaut. An der B7 zwischen Westheim und Scherfede verläuft kein straßenbegleitender Radweg, umso wichtiger ist der Diemelradweg, der an dieser Stelle diese Funktion derzeit übernimmt. Die Kreisstraße 91 ist stark von LKW-Verkehr betroffen. „Bei diesem Lückenschluss haben wir zudem auch eine Radverkehrsdauerzählstelle eingebaut“, berichtet die Leiterin des Fachdienstes Bauen Susanne Paulus. „Denn wir brauchen die Daten insbesondere auch für die Evaluation des Alltagsradverkehrskonzepts. An anderen Stellen im Landkreis wurden zudem fünf weitere Zählstellen verbaut, die mit Hilfe einer Landesförderung angeschafft werden konnten.


Die Zählstelle ist auch für den Touristik Service Waldeck-Ederbergland GmbH von Interesse. Denn bisher liegen noch keine detaillierten Daten vor, wie viele Radfahrende tatsächlich den Diemelradweg befahren, der vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club mit fünf Sternen bewertet wurde – und damit zu den zwei exzellentesten Qualitätsradwegen in Deutschland gehört.
Gute Zusammenarbeit aller Beteiligten
Das „Büro für Bauwesen“ aus Warburg hat im Auftrag des Landkreises die Planung und Bauleitung für das Projekt an der K91 ausgeführt. Für den Bau der Brücken-Widerlager und des Geh- und Radweges zeichnet die Firma GfV aus Warburg verantwortlich. Die Geh- und Radwegbrücken stammen aus der Produktion der Firma Glück aus Engen/Welschingen am Bodensee. Das Warburger Ingenieurbüro hat bereits zahlreiche Vorhaben im Radwege- und Brückenbau realisiert. „Bei diesem Projekt war bereits das Genehmigungsverfahren herausfordernd“, sagt Frank Laudage, Inhaber des „Büro für Bauwesen“. „Es waren unter anderem eine wasserrechtliche Genehmigung einzuholen und umfangreiche naturschutzfachliche Prüfungen durchzuführen, die dann aber durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten recht schnell von statten gingen.“ Auch die Montage der Überbauten bzw. Brückenteile war eine Herausforderung. Insbesondere die Arbeiten unter den Freileitungen erforderten höchste Präzision und sorgfältige Abstimmung. Dank der kompetenten Beratung der beauftragten Unternehmen konnten diese komplexen Hebevorgänge sicher und effizient umgesetzt werden. In enger Zusammenarbeit aller Beteiligten gelang es, ein auch aus technischer Sicht hervorragendes Ergebnis zu erzielen. Die Koordination und Qualität der Ausführung sind das Ergebnis einer partnerschaftlichen und lösungsorientierten Abwicklung. Mit einem finanziellen Volumen von rund 800.000 Euro stellen die Brückenbauwerke, bestehend aus Fundamenten, Widerlagern und Überbauten, den größten Einzelposten der aktuellen Baumaßnahme dar. Die Geh- und Radwegbrücken sind 50 Meter und 12,50 Meter lang und haben eine nutzbare Breite von vier Metern. Die Aluminiumkonstruktionen zeichnen sich durch eine hohe Lebensdauer, ein geringes Eigengewicht und eine hohe Korrosionsbeständigkeit aus. Sie sind weitgehend wartungsfrei. Die Anlieferung erfolgte mittels Schwertransport.


Die Kosten für den neuen Geh- und Radweg belaufen sich auf etwa 1,2 Millionen Euro, von denen 75 Prozent durch das Programm „Stadt und Land“ bezuschusst werden. Die Planung für das Vorhaben wurde Ende 2022 aufgenommen, Baurecht lag im Herbst 2024 vor. Die Bauarbeiten wurden Anfang des Jahres 2025 aufgenommen und die Verkehrsfreigabe wird voraussichtlich Mitte Oktober erfolgen.